Unterwegs nach Berlin

Veröffentlicht am 10. April 2026 um 16:25

Das Ziel ist Berlin. Cirque du Soleil ALIZÉ, die Tickets gab es zu Weihnachten :)

Da wir aber zehn Tage Zeit hatten beschlossen wir langsam mit dem Womi nach Berlin zu bummeln und uns unterwegs ein bisschen umzuschauen. Wie immer habe ich mir in der Reisevorbereitung auf Google Maps mögliche Ziele rausgesucht. Unterwegs entscheiden wir dann täglich spontan wie es weiter geht. 

Erstes Ziel war Weimar. Der Wohnmobilstellplatz bietet einige Plätze mit Strom, dafür muss man aber früh vor Ort sein. Ansonsten gilt autark stehen. Sehr angenehm fanden wir das er gegenüber dem Freibad liegt, wo Womifahrer für 2 Euro duschen können was nach Wander- oder Lostplacetouren ;) prima ist.

Zunächst aber haben wir uns Weimar angeschaut. Weimar bekannt für Kultur, Politik und seine Humanistische Bewegung. Hier lebten Goethe und Schiller, Herder und Wieland sowie die Maler Cranach der Ältere und Cranach der Jüngere. Hier gründete sich die Bauhaus Bewegung und wurde die Weimarer Republik beschlossen. 

Weimar besitzt eine sehr gut erhaltene und schön restaurierte Altstadt mit netten Gassen und großen Plätzen und charmanter Gastronomie die zum verweilen einlädt. 

 

Weimar

Ein Ziel nicht weit von Weimar, die ehemalige Sophienheilstätte war schon lange auf unserer Wunschlist und so fuhren wir weiter nach Bad Berka. Wie das aber oft mit Lostplaces ist, dieser war hermetisch abgeriegelt. Und wenn es keinen offenen Eingang gibt, dann ziehen wir uns zurück. Allerdings entdeckten wir ein Plakat welches eine Öffnung der Heilstätte zum Osterwochenende avisierte. Tja dann kommen wir hier halt auf der Rückreise nochmal vorbei.

Wie aber der Zufall so will, entdeckten wir in der Nähe einen weiteren LP, den wir zumindest teilweise erkundeten. 

"Schloss Rodberg"

Schleusenruine Wüsteneutzsch

Von Bad Berka ging es dann weiter Richtung Berlin mit einem ersten Zwischenhalt bei Leuna. Hier liegt ein weiterer Lostplace, die Schleusenruine Wüsteneutzsch. Was auf den ersten Blick nicht wie ein spektakulärer Lostplace aussieht hat aber eine interessant Geschichte und mutet schon etwas sonderbar an. Denn in der Nähe dieser Schleuse gibt und gab es kein Wasser. 

Hier sollte der Saale-Elster Kanal gebaut werden. Die Schleuse mit geplanten Schiffshebewerk war schon im Bau als das ganze Projekt zu Beginn des zweiten Weltkriegs wieder eingestellt wurde. 

Ferropolis

Nachdem wir die sehr deplatziert wirkende Schleuse umrundet hatten machten fuhren wir weiter nach Gräfenhainichen um uns die Eisenstadt "Ferropolis". Als Industriedenkmal und Veranstaltungsort beherbergt Ferropolis,auf dem ehemaligen Gelände des Tagebaus Golpa-Nord, drei riesige Bagger sowie zwei große Absetzer aus der Zeit des Braunkohletagebaus. Zwei der Bagger kann man zum Teil betreten. Die riesigen Geräte sind äußerst beeindruckend und wenn ich mir das ganze als Konzertkulisse vorstelle, da kommen Wünsche auf.

Nach der Besichtigung von Ferropolis ging es weiter nach Magdeburg. Auf dem dortigen Stellplatz am Winterhafen gab es noch ein freies Eckchen für uns. Zwar nur in der zweiten Reihe und nicht direkt an der alten Elbe aber wir wollen uns ja die Stadt ansehen und nicht im Womi sitzen bleiben;)

Zum Wohnmobilstellplatz sei noch kurz angemerkt, dass alle 32 Plätze Stromanschlüsse bieten und es sanitäre Anlagen wie auch eine Der- und Entsorgung gibt.

Abends haben wir dann einen ausgedehnten Spaziergang gemacht und in Magdeburg in einem netten Restaurant gegessen. Aber so richtig hat uns die Stadt nicht angesprochen und so ging es anderntags nach dem Frühstück weiter Richtung Mellensee, wo wir einen weiteren Lostplace erkunden wollten.

Pflegeheim bei Mellensee

Tatsächlich entdeckten wir hier zwei Lostplaces nicht weit voneinander entfernt. Ein alter Friedhof mit der Aussegnungskapelle und das von uns gesuchte ehemalige Pflegeheim.

Der erste Lostplace war recht klein, was aber der zweite durch seine schiere Größe wett machte und bei unserem Besuch doch einige Stunden in Anspruch nahm. Die vielen alten Gebäude zu erkunden, ihren Bestimmungszweck herauszufinden ist etwas, was uns immer wieder fesselt.

Im Anschluss ging es nach Ludwigsfelde. Ob es hier etwas besonderes zu Sehen gibt, keine Ahnung. Wir haben nämlich den Rest des Tages in der dortigen Therme verbracht und die Erlebnisse der letzten Tage sacken lassen und einfach nur entspannt. Die Therme können wir eindeutig empfehlen. Sie ist sehr schön gestaltet, bietet viel Platz und einige Saunen In-und Outdoor sowie ein gutes Restaurant und eine Poolbar. Auf Nachfrage bekamen wir einen Parkschein, der es uns erlaubte auf dem Parkplatz zu übernachten.

Morgens ging es nach dem Frühstück dann weiter nach Wünsdorf, wo wir eine Führung gebucht hatten.

Wünsdorf - die verbotenen Stadt

Wünsdorf, ein Ortsteil von Zossen war im zweiten Weltkrieg Hitlers Kommandozentrale. Von hier aus wurden Kriegszüge, wie der Überfall auf Polen geplant, die meisten kriegerischen Operationen wurden von hier aus befehligt. So war das Gelände hermetisch abgeriegelt was den Begriff "Verbotene Stadt" erklärt. auch von oben war dieser Ort nicht wirklich sichtbar, denn man baute große Teile unterirdisch und die oberirdischen Gebäude waren als Wohnhäuser getarnt. Nach dem Krieg viel Wünsdorf an die Russen, die erst Teile davon sprengten, dann aber später einen Teil im kalten Krieg selber nutzen. Bei einem Spaziergang durch Wünsdorf kann man noch einige alte Winkelbunker sehen. Um aber Teile der verbotenen Stadt zu besichtigen muss man eine der angebotenenFührungen buchen. Wir entschieden uns für die Führung Bunker Zeppelin und die Maybachhäuser.

Berlin

Anschließend ging es nach Berlin. Der Stellplatz am Gesundbrunnen war schon voll und geschlossen und so suchten wir uns für eine erste Übernachtung eine einfache Parkmöglichkeit am Straßenrand. Am folgenden Morgen versuchten wir es wieder und bekamen tatsächlich noch ein Plätzchen auf dem einzigen Wohnmobilstellplatz der Stadt. Eine Stadt wie Berlin sollte da eigentlich mehr zu bieten haben. Der Platz ist wirklich nichts besonderes, bietet aber Strom, sanitäre Anlagen in einem Container und Der-und Entsorgung. Er ist gut gesichert. Das ist ja schon mal was, naja.

Da es nicht unser erster Berlin Besuch ist habe ich einige sehenswerte Orte gesucht, die wir noch nicht besucht haben. So haben wir das kleine Nikolaiviertel besucht und dort in einem richtig altmodischen Lokal Kaffee und Kuchen genossen. Abends ging es dann zum Potsdamerplatz und ins Theater zu Cinque de Soleil wo wir eine tolle Vorstellung genossen, die uns in eine phantastische Traumwelt entführte.

Am nächsten Tag haben wir Friedrichshain erkundet. Sehr individuell, sehr künstlerische Streetart die uns gut gefallen hat. Das RAW-Gelaände und die Eastsidegallerie waren alle sehenswert. Langsam kam aber Hunger auf und die Füsse verlangten auch nach einer Pause, weshalb es über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg ging um uns dort in der Markthalle 9 durch die Streetfoodangebote zu arbeiten.

Der Hunger war gestillt aber die Füße mochten nicht mehr und so machten wir im Anschluss eine Spreerundfahrt, die sehenswert und erholsam war ;).

Zum Abschluss des Tages ging es in ein altes Berliner Gasthaus zu Mutter Hoppe wo es dann noch ein lecker Abendessen gab.

 

Berlin Tempelhof

Am folgenden Tag ging es zum Flughafen Tegel, wo wir nochmal eine Führung machten: "Verborgene Orte". Hierbei konnte man hinter die Kulissen des ehemaligen Flughafens schauen, die Abfertigungshalle besichtigen und einiges über die alliierte Spionagegschichte der CIA erfahren. Dort legte man uns ans Herz in diesem Zusammenhang auch den Teufelsberg in Berlin zu besuchen, welcher aber sowieso schon auf unserer Liste der nächste, geplante Ort war.

Berlin Teufelsberg

Auf dem Teufelsberg plante Hitler den Bau der Wehrtechnischen Fakultät. Es entstand ein Rohbau, der nie fertig gestellt und während des Krieges nur wenig zerstört wurde. Nach Ende des Krieges nutzten die Engländer und Amerikaner das Gelände und errichteten hier die Radarstation Teufelsberg, die eine große Bedeutung während des kalten Krieges hatte. Von hier aus wurde die Kommunikation Russlands mit seinen Verbündeten überwacht und wichtige Informationen über die Vorhaben und Aktivitäten der Länder des Warschauer Pakts gesammelt.

In den 90er Jahren wird die Anlage auch aufgrund der Satellitentechnik eingestellt.

Es entsteht ein Lostplace, der auch von Graffiti Künstlern besucht wird. Es etabliert sich eine kleine Künstlerszene.

Heute stehen die Gebäude unter Denkmalschutz und werden zu einer Street-Art-Gallerie.

Stadtbad Lichtenberg

Zurück in Berlin haben wir uns einen letzten Übernachtungsplatz im Stadtteil Lichtenberg gesucht um am folgenden Morgen dort das alte Hubertusbad, genannt Hupe, im Rahmen einer Fototour zu erkunden. Erbaut wurde dieses Bad 1928, ist aber wegen seiner Baumängel seit 1991 geschlossen. Außer den bei Schwimmbecken, eines für Frauen, eines für Männer gab es hier eine Wannen- und Brauseabteilung, eine Saunabereich, eine Gymnastikhalle Massagekabinen und eine Sonnenterrasse und im Keller des Gebäudes sogar einen Friseursalon.

Vieles davon ist noch recht gut erhalten und man sieht sich in eine andere Zeit versetzt. Schade, das die Kassen zu knapp sind um so ein historisches Gebäude in seinem alten Glanz auferstehen zu lassen.

 

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