Beelitz-Heilstätten 2.0

Von der Sowjetarmee 1945 übernommen, diente Beelitz bis 1994 als Militärhospital. Zuvor, in den ersten beiden Weltkriegen diente es als Lazarett und Sanatorium für verletze Soldaten. Ursprünglich erbaut und 1902 eingeweiht wurde es jedoch als Tuberkuloseklinik. Während der Industrialisierung um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert lebten viele Berliner  Arbeiterfamilien in erbärmlichen Verhältnissen. Gegen ein geringes Mietgeld durften sie Neubauten trocken wohnen. Gegen einen geringen Lohn schufteten sie in gesundheitsschädlichen Jobs. Lebten mit vielköpfigen Familien in winzigen Räumen und vermieteten oftmals ihre Betten an sogenannte Schlafburschen. Bis zu vierzig Menschen, die sich eine Toilette teilten, dass war der Alltag.

Da die während der Industrialisierung dringend benötigten Arbeitskräfte aber zunehmend an der extrem ansteckenden Tuberkulose erkrankten, gab die Landesversicherungsanstalt Berlin den Auftrag ein Sanatorium südwestlich von Berlin, im Wald, in einer Umgebung mit frischer, gesunder Luft zu bauen.

Medikamente gegen die Tuberkulose waren noch nicht entdeckt und man ging davon aus gute Ernährung, stundenlange Liegekuren an der frischen Luft, Bestrahlungen, kalte Bäder und die Einhaltung massiver Hygienevorschriften könne die Krankheit heilen.

 

Der Ausdruck: "Du kriegst die Motten" stammt aus dieser Zeit, denn die Röntgenaufnahme eines an TBC Erkrankten Menschen sieht aus, wie ein Pullover nach Mottenfraß.

 

 

Manche Teile der Heilstätten sind schon sehr runter gekommen, Andere wirken wie frisch renoviert. Das ist nur der äußere Schein und der Tatsache geschuldet, dass hier schon der ein oder andere Film gedreht wurde. Der bekannteste ist sicher "Operation Walküre" mit Tom Cruise.

So ist auch das hübsche Waschbecken nur eine Attrappe mit einem Wasserhahn aus Gummi, den man hin und her biegen kann ;)

Vor gut vier Jahren haben wir Beelitz auf der Reise in den Sommerurlaub schon einmal einen Besuch abgestattet. Damals haben wir uns den sogenannten Frauenteil, völlig dem Verfall preis gegeben angesehen.  Schon die Sowjets hatten nicht die finanziellen Mittel um den riesigen Komplex zu erhalten, dann kam als weiteres Problem hinzu, dass Kupferdiebe Teile der Dächer stahlen und die denkmalgeschützten Häuser nun extrem der Witterung ausgesetzt waren.

 

Aber Beelitz und seine Geschichte, Berichte von Zeitzeugen und eine wundervolle Architektur haben uns sehr gefesselt.

 

Schon länger wussten wir, dass es eine buchbare Fototour  gibt. Nachdem wir jetzt hörten das hier die letzten Termine angeboten werden, bevor der "Männerteil" entkernt, neu ausgebaut und in Form von Wohnraum wieder zum leben erweckt werden soll, war klar, da wollen wir vorher noch hin.

 

Also ein Wochenende in Potsdam plus siebenstündige Fototour in den Beelitz-Heilstätten gebucht und ab dafür.

Und ja, es war weit, ja es blieben nur zwei Stunden für den Park Sanssouci übrig aber es hat sich definitiv gelohnt. Die weiteren Beelitz Bilder findet ihr hier, gemütlich im Sessel: "Bitte Platz in der ersten Reihe zu nehmen" .

Impressionen

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